Frühwarnsystem

Das Konzept der sozialen Vorsorge ist ein Baustein des im Rahmen von Chemnitz+ für die Stadt Chemnitz im Aufbau befindlichen Vorsorge-Systems. 

Mit diesem Baustein wird zum einen das soziale Umfeld von „Menschen in Notlagen oder Vereinsamung“ sensibilisiert. Zum anderen werden Schnittstellen zu Multiplikatoren eruiert, welche das Anliegen in die Öffentlichkeit tragen.

Hierzu wurden in einer systematisierten Vorgehensweise durch den Senoprensoziladienst (SSD) des Sozialamtes Chemnitz folgende Handlungsschritte konzeptioniert und umgesetzt. In einer Recherche erfolgte die Befragung von potentiellen Kooperationspartnern (z. B. MdK, Pflegedienste, Ärzte, Behörden...) nach bestimmten Kernfragen:

  • Wo stellen Sie Hilfebedarf fest?
  • Wie gehen Sie damit um?
  • Was ist der mögliche Hilfebedarf?

Diese wurden als Orientierungshilfe für das weitere Vorgehen dokumentiert und ausgewertet. Daraus ergaben sich klar definierbare Gefährdungssymptome:

  • Tod des Lebenspartners,
  • Wegzug der Herkunftsfamilie,
  • Wohnungswechsel,
  • körperliche Einschränkungen und psychische Erkrankungen,
  • (längerer) Krankenhausaufenthalt u.w.

Anschließend wurde betrachtet, welche potentiellen Kooperationspartner im Alltagsgeschehen Kontakt mit Betroffenen haben.  Die Multiplikatoren haben eine entscheidende Funktion, weil sie die Schnittstelle zur Zielgruppe sind. Mit dem „Frühwarnsystem“ soll nicht die gesamte Öffentlichkeit angesprochen werden. Es ist entscheidend, dass an den Schnittstellen, wo Probleme zu Tage treten oder Auffälligkeiten bemerkt werden können, diese Personen wissen, an wen sie sich wenden können, um Rat oder Unterstützung anzufragen.

Diese sind:

  • Behörden (bspw. Polizei, Stadtverwaltung etc.)
  • Ärzte und medizinisches Personal,
  • soziale Dienstleister (Haus- und Pflegedienstleister, Sanitätshäuser, Bestattungsinstitute)
  • Beschäftigte im Wohnungswesen,
  • Stadtteilakteure, Ehrenamtliche etc.

An die Multiplikatoren richten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SSD meist mit einem Vortrag zu folgenden Inhalten:

  • Vorstellung der Struktur der Abteilungen Senioren-, Behindertenhilfe, Örtliche Betreuungsbehörde
  • Erläuterung der Arbeit der Abteilung
  • Was ist Vereinsamung und Verwahrlosung?
  • Was sind Gefährdungssymptome?
  • Woran erkenne ich gefährdete Personen?
  • An wen kann ich mich wenden?

Ergänzend dazu wird Informationsmaterial an die Teilnehmer ausgereicht. Dieses umfasst:

  • eine Orientierungshilfe zur Situationseinschätzung von Hilfebedürftigkeit älterer Bürger
  • ein Infoschreiben „Was kann der Seniorensozialdienst für Sie tun?“

Die Beratung von Klienten ist das wichtigste Präventionsinstrument überhaupt. Als einen Erfolg der Sensibilisierung- und Informationsarbeit des Frühwarnsystems ist zu sehen, dass der Anteil an Beratungskunden im Jahr 2015 auf 42% und in 2016 auf 59% stieg (2012: 37%, 2014:21%). Insgesamt konnten bei 58 Fälle Krisen abgewendet und vermieden werden (Zahl für 2015). Für die Betroffenen wurden individuelle Problemlösungen im Rahmen des Fallmanagements erarbeitet.

Ansprechpartner

Frau Ina Platzer, Sozialamt Chemnitz Abteilung Senioren-, Behindertenhilfe, Örtliche Betreuungsbehörde

Vorgestellt: Frühwarnsystem des SSD der Stadt Chemnitz

Das Frühwarnsystem wird im Newsletter 02/2015 näher vorgestellt.

Orientierungshilfe zur Situationseinschätzung von Hilfebedürftigkeit älterer Bürger

Infoschreiben „Was kann der Seniorensozialdienst für Sie tun?“